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Rasso Hecker

Skulpturen - Des monuments - Rasso Hecker

Jeux de vagues - Rasso Hecker

Rasso Hecker
Biografie

  • 1966 in München geboren
  • 1989 Umzug nach West-Berlin
  • Ausbildung in der Kupferdruckwerkstatt von Willibrord Haas
  • 1989 - 1998 freie Mitarbeit in der Kupferdruckwerkstatt Willibrord Haas, Berlin
  • 1993 Einzug in das Atelierhaus K 19, Berlin-Charlottenburg
  • 1999 Umzug nach München
  • 2003 Geburt von Elias David
  • 2006 Geburt von Gabriel Quirin
  • 2014 - 2016 Erwerb und Bau eines Atelierhauses im Vézère-Tal, Périgord, Frankreich
  •  
  • Rasso Hecker lebt und arbeitet in München und Valojoulx - Périgord, Frankreich.

Ausstellungen

  • 2021 „Jeux de vagues“, Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • 2019 „Le ciel et des monuments“, Galerie Artoxin, München
  • 2017 Ausstellung und Installation im Hubertussaal, Schloß Mochental, Galerie Ewald Schrade
  • 2014 Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • 2011 Einzelausstellung Galerie Kaysser
  • 2010 „Wintersalon“ Galerie Kaysser, München
  • Gruppenausstellung Galerie Fetzer, Papierarbeiten, Sontheim
  • 2009 Einzelausstellung Galerie Kaysser
  • One Man Show mit Galerie Kaysser Schloss Ruhpolding
  • 2008 Tease Art Fair#2 mit Galerie Kaysser
  • Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • Gruppenausstellung Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • 2008 Tease Art Fair#2 mit Galerie Kaysser
  • 2007 Messe: 4. Berliner Kunstsalon, Berlin mit Galerie Kaysser
  • 2006 "Kunstsalon 2006" Gruppenausstellung Galerie Kaysser, München
  • 25 Jahre Galerie Fetzer, Jubiläums-Gruppenausstellung
  • 2005 Art Bodensee, Galerie Fetzer
  • 2004 Bilder gegen den Krieg“ Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • Galerie Fetzer, Sontheim
  • 2003 2. Malaktion Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • Galerie Roland Oswald, München
  • 2002 Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • Galerie Fetzer/Sparkassenzentrale, Günzburg
  • 2001 Gruppenausstellungen Ottogalerie, München 
  • und Galerie Ewald Schrade, Karlsruhe
  • 2000 Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • 1999 Kunstwall – Ostwall, Krefeld
  • 1998 Galerie W4, München
  • 2. Malaktion Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • 1997 Galerie W4, München
  • 1. Malaktion Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • 1996 Galerie Kunstreich, München
  • 1995 Radierungen Galerie Aquaforte, Berlin
  • 1994 Atelierhaus K19, Kultursenat Berlin
  • 1993 „ORGAN EXAM“ Galerie Aquaforte, Berlin
  • 1992 „Wilder Osten“ Ausstellungsprojekt, Berlin Mitte Auguststraße
  • „STARK BLAU“ Kulturbüro, Krefeld
  • 1991 „STARK BLAU“ Berlin Lützowstraße
  • Kulturfabrik Heeder, Krefeld
Rasso Hecker

Jeux de vagues et des monuments 

NOTIZEN EINES BETRACHTERS
ZU RASSO HECKERS KUNST

ZU HISTORISCHEN URSPRÜNGEN

Rasso Heckers Gemälde und plastischen Objekte gehören zu der Kunst, die bewusst gegenstandsfrei ist, also frei von Abbildungs- und Bedeutungsinhalten.
Eine solche Freiheit hatte Wassily Kandinsky am Anfang des vorigen Jahrhunderts für die Malerei gefordert und als Erster selbst verwirklicht.
Und er tat das eigentlich als Erster in der Geschichte der Künste überhaupt.
In seiner Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ hat er zudem die tiefe Verwandtschaft von Musik und Malerei betont. Er war davon überzeugt, daß „...die Malerei zur Kunst im abstrakten Sinne heranwachsen… und schließlich die rein malerische Komposition erreichen wird.“
Dieses malerische Komponieren betrachtete er demnach als eine Analogie zum musikalischen Komponieren, der Kunst also, die ihrem Wesen nach schon immer gegenstandsfrei ist.
Folglich sollte das Erleben einer malerischen Komposition in seiner emotionalen Unmittelbarkeit dem Erleben einer musikalischen Komposition entsprechen.
Rasso Hecker folgt den Prinzipien Kandinskys und geht zugleich ganz eigene Wege in der Kunst des rein malerischen Komponierens.


ZU WESENSMERKMALEN

Gemälde
In dem Text zu Rasso Heckers Ausstellung „Ölgemälde 1996“ steht sein malerisches Schaffensprinzip:
Sein Ausdrucksbegehren ist darauf gerichtet, sensible Abschreibungen seelischer Zustände des Überschwangs, des Glücks, des Rausches, des Leids, des Überdrusses auf den Bildgrund aufzubringen.
Er kann und will also mit seiner Malerei seine seelische Betroffenheit so unmittelbar sichtbar machen, wie es musikalisch Komponierenden schon immer möglich gewesen ist, ihre seelische Betroffenheit unmittelbar hörbar zu machen.

Besonders eindrucksvoll gelingt Rasso Hecker die Verwirklichung seiner Maxime in den letzten zehn Jahren bis heute.
Auch vorher schon ging von seinen flächig angelegten Gemälden eine intensive Anziehungskraft aus.
Seit 2011 besitzen seine Gemälde aber nun durchweg die Anziehungskraft räumlicher Tiefe.
Um diese Wirkung zu erreichen, bedient er sich des Mediums einer sehr feinporigen – von allen nicht genuin malerischen Strukturelementen freien - Malweise. - Parallel zu der fortschreitenden Arbeit seines Malens schuf Rasso Hecker während des Jahres 2019 zum ersten Mal:

Plastische Objekte
Dadurch erfuhr sein malerisches Schaffensprinzip eine bemerkenswerte Ergänzung, zu der es ihn schon seit über sechs Jahren gedrängt hatte.
Ihm war bewusst geworden, daß es für ihn auch seelische Zustände gibt, die, um sichtbar gemacht zu werden, eines extrem anderen Mediums bedürfen, nämlich eines solchen, das sich zu direkter körperhafter, dreidimensionaler Gestaltung eignet.
Seine Objekte sind hellgraue Betonquadern:
Sowohl monolithisch gegossene, personenhaft auftrechtstehende Einzelformen, als auch Gruppen-gebilde, die aus einzeln gegossenen schlichten gleichartigen Quadern zusammengefügt sind.
Er gab ihnen den ironischen Namen „Monumente“, weil ihn monumentale Formen der Kunst- und Baugeschichte – Turmbauten und Statuen wie die Memnonskolosse – zu seiner künstlerischen Initiative inspiriert hatten. An den historischen Großformen hatte ihn deren enorme Selbstbezogenheit und die damit verbundene geistige Provokation beeindruckt.
Und diese Eigenschaft, selbstbezogen und zugleich herausfordernd zu sein, kennzeichnet in subtiler, differenzierter Weise auch die Schar seiner Objekte.


Gemälde – Plastische Objekte
stellen zwei unterschiedliche Erfahrungs- und Ausdruckswelten dar:
Den Gemälden in ihrer rätselhaften anziehenden Tiefe stehen die Objekte in ihrer rätselhaften anziehenden Verschlossenheit gegenüber.
Die Objekte fordern dazu heraus, den Blick auf sie zu konzentrieren.
Die Gemälde bewegen dazu, den Blick auf sie, ja den Blick überhaupt zu weiten.
Das sind widersprüchliche Botschaften, die aber zugleich aufeinander bezogen sind und einander ergänzen.
Auf diese künstlerische Bewußtseinslage Rasso Heckers trifft eine Maxime Goethes zu:

Zitat: „Um mich zu retten, betrachte ich alle Erscheinungen als unabhängig voneinander und versuche sie gewaltsam zu isolieren; dann betrachte ich sie als Korrelate und sie verbinden sich zu einem entschiedenen Leben.“


ZU DEN AKTUELLEN ARBEITEN

Jeux de vagues
Eine kontinuierliche, lebendige Fortführung und Intensivierung seiner Malweise seit 2011 bilden Rasso Heckers Gemälde des Jahres 2020.Diese Arbeitsphase hat er mit dem Namen „Jeux de vagues“ bezeichnet.
Verstanden wissen will er die „Spiele der Wogen“ im übertragenen Sinn: „Vague“ kann nämlich nicht nur „Woge“ sondern z.B. auch „das Unbestimmbare“ heißen.
Deshalb charakterisiert „Jeux de vagues“ die spielerische Bearbeitung eines ernsten, sprachlich unbestimmbaren malerischen Themas durch eine Suite von 25 subtilen malerischen Variationen.


Des monuments
Auch 2020 hat er Objekte geschaffen.
Es sind Einzelformen, die er diesmal nicht aus Beton gegossen, sondern aus dem massiven Holz der Steineiche herausgearbeitet hat.
Durch die Wahl dieses „lebendigen“ Materials mildert er die stereometrische Strenge der Objekte ein wenig ab, hebt sie aber ganz bewußt nicht auf.
Nach wie vor sind ihm die plastischen Objekte in ihrer „monumentalen“… auch naiven Selbstbezogenheit eine gelegentliche schöpferische Antithese zur gelassen fließenden Hauptströmung seiner Malerei.


ZUR REZEPTION

Raum und Zeit
Das Gemeinsame des Erlebens von Musik und gegenstandsfreier Kunst besteht ohne Zweifel in der emotionalen Unmittelbarkeit dieses Erlebens.
Beide Erlebniswelten unterliegen aber erfahrungsgemäß auf unterschiedliche Weise den Dimensionen Raum und Zeit:
Dem zeitlichen Nacheinander aller Bestandteile einer musikalischen Komposition steht das räumliche Zugleich aller Bestandteile einer malerischen oder plastischen Komposition gegenüber.

Das bedeutet:
- Verstehendes Hören der zeitlich bedingten musikalischen Komposition geschieht (notwendig) in einem Zeit  - Raum (an)teilnehmenden Mitschwingens.
- Verstehendes Sehen der räumlich bedingten malerischen oder plastischen Komposition geschieht   (notwendig) in einem Zeit  - Raum (an)teilnehmenden Betrachtens.

Man könnte grundsätzlich auch sagen:
- Die Dimension Raum ist das zweite Wesensmerkmal des Zeiterlebnisses Musik.
- Und die Dimension Zeit ist das zweite Wesensmerkmal der Raumerlebnisse Malerei und Plastik.
Die Zeiträume des Betrachtens gegenstandsfreier Kunstwerke sind demnach das eigentliche Pendant zu den Zeiträumen „mitschwingenden“ Anhörens musikalischer Kunstwerke.

Betrachtung

Die Aufsehen erregenden lärmenden Patchwork - Verhältnisse der gegenwärtigen Welt will Rasso Hecker künstlerisch nicht beschwören.
Ihm geht es vielmehr darum, mit seinen Gemälden und Objekten die stille persönliche Betroffenheit zu vermitteln, die diese, für ihn letztenendes absurde Welt in ihm ausgelöst hat.
Der stille, ja melancholische Ernst seiner Kunst erschließt sich, wenn ihr wiederholt ausgedehnte Zeiträume der Betrachtung gewidmet werden.
Wenn diese zeitliche Ausdehnung den Betrachtenden sogar zu Assoziationen mit ihrer eigenen existentiellen Lage Anlaß gibt, kann ein solches Betrachten durchaus den Charakter von Kontemplation annehmen.

Rasso Heckers Kunstwerke sind nicht zuletzt elegisch existentielle Definitionen:
- Das plastische Objekt repräsentiert Nähe, die aber zugleich in sich verschlossen ist.
- Das Gemälde repräsentiert Ferne, die aber eigentlich unerreichbar bleibt.

Soweit einstweilen diese insgesamt auch kontemplativ bedingten Notizen des Betrachters.

Bernt Lauter
München, Januar 2021