// Künstler:

Irene Fastner

Öl auf Leinwand - Irene Fastner

Grafik und Hinterglasbilder - Irene Fastner

Irene Fastner
Biografie

  • 1963 geboren in Zwiesel
  • 1988-1994 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Helmut Sturm / Meisterschülerin
  • 2006 Arbeitsstipendium im Tyrone Guthrie Centre in Annamakerrigh, Irland
  • 2007 Kunstpreis des Europäischen Frauenforums
  • 2010 Arbeitsstipendium im Hospital Field House in Arbroath, Schottland
  • 2014 Arbeitsstipendium in der Werkstatt Steindruck e.V. im Künstlerhaus am Lenbachplatz, München
  • Aufnahme ins Atelierförderprogramm der Landeshauptstadt München

Ausstellungen

  • 1992 Otto-Galerie, München
  • 1994 Stadtmuseum, Deggendorf
  • Otto-Galerie, München
  • 1995 Diehl AG, Silvaplana, Schweiz
  • 1996 Galerie im Woferlhof, Kötzting
  • Galerie Kunst oder Reklame, München
  • 1998 Transit Film GmbH, München
  • Galerie Klaus Lea, München
  • 1999 Galerie Klaus Lea, München
  • 2000 Galerie Klaus Lea, München
  • Galerie Schönberger, Landshut
  • 2001 Städtische Galerie im Cordonhaus, Cham
  • Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • 2001 Galerie Klaus Lea, München
  • 2002 Galerie Klaus Lea, München
  • Galerie im Woferlhof, Kötzting
  • 2003 Galerie Klaus Lea, München
  • 2004 galerie parterre, Berlin (mit M. Fahl)
  • Kunstverein Gauting (mit M. Schultes)
  • Galerie Klaus Lea, Art Karlsruhe 
  • 2005 Galerie Schloss Wolfstein, Freyung
  • Galerie Dorothea Schrade, Illereichen
  • Galerie Klaus Lea, München
  • 2006 Rathausgalerie, Landshut
  • Galerie Kunstpartner, Adlmannstein
  • (mit G. Hanner)
  • Kulturwerkstatt HAUS 10, Fürstenfeldbruck (mit M. Schultes)
  • 2007 Galerie Incontro, Eitorf
  • Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • Galerie Klaus Lea, München
  • 2008 "Stadt-Land-Fluss", Neuer Kunstverein Regensburg
  • "Jagdgeschichten", Kunstverein Landshut
  • Galerie Klaus Lea ,München
  • 2009 Galerie Schreibwerkstatt, Regen
  • 2010 Prozessgalerie, Berlin (mit H. Mondry)
  • Galerie bratri Spillaru, Domazlice, Tschechien
  • 2011 Galerie Tobias Schrade, Ulm
    2012 Prozessgalerie, Berlin
    2013 Galerie 13, Freising
    Galerie im Woferlhof, Bad Kötzting
    2015 Komische Leut, Werkstatt für Steindruck, München
    Galerie Tobias Schrade, Ulm
    2017 Vida!, Galerie 13, Freising
    Galerie Klaus Lea, München (mit Menno Fahl)
    2018 Grüße aus München, Kunstverein Templin


     
  • Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
  •  
  • 1993 Otto-Manie, Otto-Galerie, München
  • Schüler der Klasse Helmut Sturm, Cordonhaus, Cham
  • Galerie BELETAGE, Düsseldorf
  • 1994 Galerie du C.R.O.U.S., Rennes, Frankreich 
  • 1995 Out of Böhmerwald, Otto-Galerie, München
  • 1996 1. Silvaplanaer Kunsttage, Silvaplana, Schweiz
  • 1997 Malerei aus München, Kulturmodell, Passau
  • Weinstadtmuseum , Krems, Österreich
  • 1998 FÖHN 14, Kunstwerkstatt, Ulm
  • Sturmflut, Galerie Helmut Leger, München
  • 1999 Just Art Galerie, Berlin
  • 10 Münchner Künstlerinnen, Kallmann-Museum, Ismaning 
  • Gärten und Parks, Galerie Schloß Mochental, Ehingen
  • Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München 
  • Berlin - München, Milchhof, Berlin
  • Gruppe 4, Galerie Schloß Mochental, Ehingen
  • 2000 2.Malaktion, Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • 2001 ...danke, Galerie der Künstler, München 
  • Junge Kunst für junge Sammler, Galerie Tobias Schrade, Berlin
  • 2002 Ansturm, Kunstverein Gauting
  • Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München 
  • Köpfe und Porträts, Galerie Schloß Mochental, Ehingen
  • 2003 Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München 
  • Bilder gegen den Krieg, Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • Graenselandsudstilligen, Aabenraa, Dänemark 
  • Sommer, Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • 2004 Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München 
  • Kunstmesse Art Karlsruhe, Galerie Klaus Lea 
  • Idylle, Galerie Tobias Schrade, Ulm
  • Art International Zürich, Kunstmesse Zürich, Schweiz 
  • 2005 elf, Stadtgalerie im Stadtmuseum, Deggendorf
  • Kopfarbeit, Galerie im Woferlhof, Kötzting
  • 2006 Frauenbildnisse, Galerie Dorothea Schrade, Diepoldshofen
  • Kopf an Kopf, Galerie Incontro, Eitorf
  • Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München
  • 2007 Frühlingserwachen, Galerie im Woferlhof, Bad Kötzting
  • 5 Jahre Kunstpreis Europäisches Frauenforum, Galerie Dorothea Schrade, Diepoldshofen
  • Galerie Cort, Banyoles, Spanien
  • 2008 Art Karlsruhe, Galerie Tobias Schrade
  • "Ich Du Er Sie Es", Kunstverein Weiden
  • "Wahrscheinlich Heimat", Kunstarkaden, München
  • X+X 08, Städtische Galerie Klatovy, Tschechien
  • 2009 Beat me with your love, Kunstverein GRAZ, Regensburg
  • 2010 Update, Kallmann-Museum, Ismaning
  • 2011 Man denkt, Frauen sind romantisch, Fundacion Vall Pallou, Llleida, Spanien
  • ​Korrespondenzen, Haus Hessen Design, Darmstadt
  • Schau mich an, Galerie Dorothea Schrade, Diepoldshofen
  • 2012 Malaktion, Galerie Dorothea Schrade, Diepoldshofen
  • Wild, Stadtgalerie, Amberg
  • Art Karlsruhe, Galerie Tobias Schrade
  • 2013 Summamirl, Kunstpartner Galerie, Adlmannstein
  • Druckgrafik Multiple, Galerie 13, Freising
  • 2014 Der gedeckte Tisch, Schalterhalle, Starnberg
  • Schöner Wohnen, Oberste Baubehörde, München
  • 2015 Plakativ 4, Galerie Altes Rathaus, Worpswede
  • Nachbilder, Petersburger Art, Köln
  • Grosse Gefühle, Dengel-Galerie, Reutte, Österreich
  • Marc Dietl - Irene Fastner - Marc Taschowsky, Kunst - und Gewerbeverein, Regensburg
    2016 20 Jahre Galerie Tobias Schrade, Galerie Tobias Schrade, Ulm
    Export-Import, Havanna-München, Galerie Luz y Oficios, Havanna, Kuba
    2017 Do the do, Kunstverein Landshut
    München-Bild, Galerie Klaus Lea, München
    Tres, Palazzo del Gatto, Casaprota, Italien
    2018 Plakativ 5, Galerie Interzone, Rom, Italien
    Figur und Landschaft, Galerie Tobias Schrade, Ulm
    Art Karlsruhe, Galerie Tobias Schrade

     
Irene Fastner

Ein individueller Weg zu einer neuen Figuration

Jens Martin Neumann über die Arbeiten von Irene Fastner

Irene Fastner hat eine eigensinnige figürliche Malerei entwickelt, in deren Mittelpunkt buchstäblich die monumentale, urtümlich kraftvolle Figur steht. Im Verzicht auf jedes dynamische Bewegungsmotiv, alle gestischen oder mimischen Pathosformeln und vor allem in der Unbewegtheit der scheinbar ausdruckslosen Gesichter verfolgt sie eine stille Kunst des eingefrorenen Moments. Meist über die gesamte Bildhöhe aufgespannte, überwiegend en face dargestellte, schematisierte Frauen, Männer, Kinder und Tiere sind statuarisch ruhig - inmitten oder seitlich - einer kürzelhaft bezeichneten räumlichen Umgebung verankert, die sich als ornamentaler Teppich oder changierende Farbfolie über die Bildfläche entfaltet. Stark vereinfacht, plakativ überzeichnet und in gesucht auffälligem Missverhältnis tragen die schmächtigen Figurenleiber auf den dünnen Stielen ihres Halses großflächige kantige Kopfblöcke oder runde Gesichtsscheiben, lassen dürre Arme hängen, stecken kleine Hände in Kitteltaschen oder halten wie auf klassischen Portraits sonderbare Attribute, die sich auch zu bildbeherrschenden Hauptmotiven auswachsen können. Details wie Rock, Haare, Augen oder Nase stilisieren zu reinen Farbflächen oder grafischen Lineaturen, und auch die Frontalität der Figuren beweist sich als Mittel koloristischer Flächigkeit.
 
Irene Fastner trennt sich unbefangen von der menschlichen Gestalt. In der Art von Kinderzeichnungen ordnet sie die Bildelemente ganz nach ihrer differierenden Wertigkeit und verknüpfenden Beziehung an, also entsprechend den Erfordernissen von leichter Lesbarkeit und nicht etwa naturalistischer Proportion, räumlicher Verhältnisse oder malerischer Illusion. Die Komposition gründet ausschließlich im Interesse der Künstlerin an den Dingen. Die Folgen sind: rigoros vorherrschende Bedeutungsperspektive, inhaltlich angeregte, aber malerisch motivierte Farbanalogien und Formentsprechungen, sowie chiffrenhaft summarische Gestaltfindung. Dieser kunstimmanente Ansatz setzt inhaltlichen Deutungen enge Grenzen: Ein dunkles Gesicht ist primär eine bräunliche Farbfläche, nicht automatisch Signatur farbiger Menschen; die häufig auftretenden Frauenfiguren bieten Anlass für malerische Details in ihrer Kleidung, weit weniger für Definitionen weiblicher Rollenmuster.
 
Die bewusste Einfachheit der Darstellung, diese authentische Kindlichkeit in der stilistischen Haltung, der gewisse Primitivismus koloristischer Verflächigung und linearer Konturierung sowie die freie Strichsetzung führen zu knapp formulierten, höchst vitalen Figurenbildungen, die bei Irene Fastner immer Inhalt und freie Malerei in einem sind. Zwar bleibt eine abstrahierte Figürlichkeit erhalten, da Pinselstriche und Farbflecken noch dingliche Funktion besitzen, trotzdem verhilft die Künstlerin der Farbe mit heftig eingesetzten Bildmitteln - starkem Kolorit, handschriftlichem Duktus und groben Strukturen - zu eindrücklicher Wirkung. Der Malakt bleibt in sichtbaren Spuren anwesend, verleiht der Farbe eigenständige Qualität und substanzielle Stofflichkeit. Die Malerin trägt das Farbmaterial voller Klumpen, Verwerfungen und Grate auf, durchfurcht mit dem Pinsel die aufgeworfene Farbpaste, wechselt von spontaner schlanker Gebärde zu schwerer krustiger Farbgeste, schreibt graphische Kritzeleien in die Farbhaut hinein - kurz: Die malerische Erzählung entfaltet sich in kräftigen Farben und in ruppiger Handschrift über die Bildoberfläche, Malmotorik und Bildprozess bilden eine untrennbare Einheit.
 
Letztlich auch ein kluger zeitgenössischer Kommentar zu einer altehrwürdigen Gattung, erzählt jedes Bild Irene Fastners als eine Art "Portrait" eine einfache Geschichte, die von ganz normalen Menschen in alltäglichen Situationen handelt. Diese Geschichten beruhen zwar auf persönlichen Erlebnissen, Erfahrungen und Reiseeindrücken, aktualisieren sich aber spontan im Malprozess, finden erst dann eine offene Form des Berichtens. Irene Fastners Galerie trivialer, aber eben allgemeingültiger Durchschnittstypen bezeichnet die Suche nach malerischen Entsprechungen für unsere Vorstellungen von Person, Charakter, Tätigkeit und Lebensdesign. Die Künstlerin stellt sich naiv, nimmt solche populären Vorstellungen gleichsam wörtlich und setzt sie direkt ins Bild. Sie spürt in malerischen Andeutungen von geblümten Tapeten, kleinen runden Tischen, Blumensträußen, aber auch merkwürdigen Haustieren, Handtaschen oder Mobiltelefonen der sozialen Atmosphäre nach, deckt Klischees auf, um sich gleich wieder davon zu distanzieren. Ihre Malweise ist von Einfühlung in die dargestellten Protagonisten geprägt, wechselt je nach Motiv Stillage und Malmodus. Die Bilder sind dabei optimistisch und hoffnungsvoll, denn fest stehend und zu blockhafter Form verfestigt können sich die Figuren in ihrem Lebensraum - sei es auch im Wahn eines Traumes oder in der Fragwürdigkeit eines kleinbürgerlichen Ambientes - stoisch behaupten. Die Kunst ist hier allerdings kein abgeschlossenes Konzentrat, sondern bleibt offen. Die angefangenen Geschichten werden an uns Betrachter weitergegeben, und wir müssen sie uns selbst zu Ende erzählen.
 
Frei von falschem intellektuellem Kalkül und direkt wirksam im malerischen Ausdruck, schafft Irene Fastner Werke von lapidarer Kraft und elementarer Wucht. Sie vertritt eine individuelle "Rohe Kunst", geprägt von allgemein zugänglichen Bildformen, in denen traditionelle Gegenständlichkeit hinter rätselhaften Zeichen für Menschen versinkt. Die Malerin erneuert die figurative Kunst durch den Rückgang auf Ursprünglichkeit, Primitivismus und Authentizität.