// Künstler:

Anna Arnskötter

Bronzegüsse - Anna Arnskötter

Holzschnitte - Anna Arnskötter

Skulpturen - Anna Arnskötter

Anna Arnskötter
Biografie

  • 1961 in Greven/Westf geboren
  • 1980 - 1984 Studium der Bildhauerei an der Freien Akademie Nürtingen
  • 1993 Kunsthochschule Weissensee, Berlin
  • 1995 3. Bildhauerinnen Symposium, Prösitz
  • 1997 Betonsymposium, Berliner Bildhauerwerkstätten
  • 1998 Internationaler Schneeskulpturenwettbewerb Nuuk, Grönland
  • 2000 Förderpreis der Darmstädter Sezession, 4. Symposium Kulmbach
  • 2002 Stipendium Sommeratelier Kunstverein Greven
  • 2003 Stipendium der Käthe-Dorsch Stiftung, Berlin
  • 2003 Werkvertrag mit der Künstlerförderung des Landes Berlin
  • 2005 Architektur der Nomaden, Symposium, Potsdam​

Ausstellungen

  • 1997 Galerie La Venerie, Brüssel
  • 1998 WerkstattGalerie Bremen (mit L. Seruset)
  • 2002 Remise DEGEWO, Berlin (mit L. Seruset)
  • Kunstverein Greven
  • 2004 Galerie Eiswürfel, Berlin
  • 2005 Frauenmuseum Berlin, Kommunale Galerie Wilmersdorf (mit Kerstin Grimm)
  • Galerie im Helferhaus, Langenau
  • 2006 "Auf Reisen", Ahorn-Grieneisen, Berlin

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1996 Städtische Galerie Grimma
  • Alter Johannisfriedhof Leipzig
  • 1998 "Fluten", Alte Klosterkirche, Grimma
  • 1998 "Ciel-Mer", Galerie La Venerie, Brüssel
  • 1999 "In guter Verfassung?" Sprengelzentrum Bad Bederkesa
  • 2000 "Gastspiel", Ziegelhütte, Darmstadt
  • 2001 "Trautes Heim" Panzerhalle, Groß Glienicke
  • Keramik im Garten, Galerie Klee, Darmstadt
  • Aktuelle Kunst im Kontext zur Romanik, Bad Wimpfen
  • "Stadt, Land, Fluß", Galerie M, Potsdam
  • 2002 Alte Klosterkirche, Grimma
  • "Druckgrafik", Remise DEGEWO, Berlin
  • 2003 "Selbst" Galerie M, Potsdam, "BilderWechselBilder", Potsdam - Opole
  • "Skulpturensommer", Galerie Kunstueck, Oldenburg,
  • "Blue Hall" Marktplatz Europa, Panzerhalle Potsdam/Groß Glienicke
  • 2004 "Skulptur im Freiraum", Ziegelhütte, Darmstädter Sezession, Darmstadt
  • "Gutsherrinnen", Frauenmuseum Bonn, Panzerhalle Potsdam/Groß Glienicke
  • "Keramik im Garten", Galerie Brigitte Klee, Darmstadt, Nord - Art 2004, Büdelsdorf
  • "Die Reise - In den Gärten", Panzerhalle Potsdam/G.G.
  • 2005 Alte Klosterkirche Grimma, "Sektor Panzerhalle", Panzerhalle Potsdam/G.G.
  • "Spielraum", Fachhochschule Potsdam, Skulpturensommer 2005, Galerie Kunstück, Oldenburg, 1. Art Brandenburg
  • 2007 "Translokationen", Architektur der Nomaden, Alter Markt, Potsdam, Das Haus, Altes Lager,
  • Backofenberg Strodehne
  • Miniatur in der Bildenden Kunst, Städt. Galerie Fürstenwalde, Brandenburgischer Kunstpreis,
  • Schloss Neuhardenberg, "SEA", Arke Galerie, Dortmund
Anna Arnskötter

Die Kraft der Verwandlung

Katrin Bettina Müller über die Arbeiten von Anna Arnskötter
 
Ein halbrunder Kranz von Stäben umschließt ein hohes Haus in der Skulptur "Eingezäunt" von Anna Arnskötter. Sie ist aus Beton gegossen und gleicht der Skizze oder einem Modell für eine architektonische Planung. Der Maßstab aber bleibt offen und lässt in der Ungewissheit eine Vielzahl von assoziativen Bildern zu. Die Stäbe zum Beispiel können ebenso an die zinnenbewehrten Mauern von mittelalterlichen Burgen erinnern wie an das dichte Dunkel zwischen den Baumstämmen eines Waldes.
 
In den Skulpturen von Anna Arnskötter geht es um Orte und Stätten, an denen sich eine Bedeutung, eine Stimmung verdichtet. Sie sind nicht nur Architektur, sondern ebenso gestaltete Landschaft, geheimnisvolles Bündnis von Natur und Kultur, Materie und Geist. Das macht es möglich, sie als Schauplätze zu sehen, möglicherweise von sehr dramatischen Ereignissen. "Eingezäunt" ist ein solch emotional aufgeladener Ort: Das hohe schmale Haus kann Ort des Rückzugs sein oder ein Platz der Macht, der Zaun, der es umklammert, schützt das Haus aber hält es auch gefangen. Verheißt es Geborgenheit? Oder ist es eher unheimlich, hält es seine Bewohner fest? Ist es das Schloss der Zauberin, die "Jorinde und Joringel" im Märchen in Vögel verwandelt und in Käfige sperrt? Ist es das Häuschen der Hexe tief im Herzen des Waldes, die "Hänsel und Gretel" mästen und braten will? Oder ist es die Burg von Macbeth, der durch Mord und Intrige in Shakespeares Drama zum König geworden, eines Tages den Wald auf sich zukommen sieht? Die Phantasie springt an, die Erinnerung spuckt Geschichten aus. Solche Orte kennt man. Solche Orte haben eine Bedeutung. Man geht in sie hinein; aber ob man als der wieder herauskommt, der man vorher war, das ist sehr zweifelhaft. Solche Ort besitzen die Kraft der Verwandlung.
 
Anna Arnskötter baut ihre Skulpturen auf: Modellen aus Ton oder Gips folgen Abgüsse in Beton. Die unterschiedlichen Farben des Beton entstehen durch die Methoden des Gusses; die Oberflächen werden nur sparsam geschliffen und bleiben oft roh und rau. Manchmal erscheint der Beton, der aus großen Anteilen Sand und gemahlenem Kies besteht, nicht nur das Material der Darstellung, sondern Teil davon, Teil des Landschaftsprofils, das aus ihm geformt wurde, Teil der Häuser und Türme. So sind die Skulpturen Teil der Welt, die sie bezeichnen.
 
Fast alles wirkt vertraut in den Skulpturen der Bildhauerin. Die Formen, die sie benutzt, akzeptieren wir ohne Frage als Abbilder einer gegenständlichen Ordnung. Eine surreal geschrumpfte, zum Spielzeug verkleinerte Sammlung von Architektur- und Naturformen: Das Haus, der Berg, die Brücke, der Turm, das Schiff, das Meer. Die Künstlerin buchstabiert das dingliche Vokabular einer Welt durch, die bis zu Noahs Arche und dem Turmbau zu Babel zurückreicht. Das wirkt auf den ersten Blick täuschend einfach, bis man sich fragt: Was will eine Künstlerin heute von diesen scheinbar zeitlosen Formen, wie schreibt sich die Perspektive der Gegenwart ein in dieses Material?
 
Die Auseinandersetzung mit Skulptur bedeutet immer auch Raumerfahrung. Anna Arnskötter sucht nach der Rekonstruktion einer Raumerfahrung, die nicht von den funktionalen Details der Gegenwart überschrieben ist, sondern in der die Formen wieder die Bedeutung einer Vermittlung zwischen Ich und Welt, Subjekt und Umgebung annehmen.
 
Ein Zentrum markieren, einen Punkt, durch den die Energie hindurchgeht, der die Geister anzieht, der Konzentration schafft, möglicherweise ein Punkt des Übergangs, der Begegnung mit dem Spirituellen: Vieles von dem schwingt mit in der skulpturalen Landschaft "Im Verborgenen". Man sieht einen Berg, vielleicht einen Vulkankegel, in dessen Trichter wieder ein Haus steht. Nur ein schmaler Einschnitt ist geöffnet, ein liegender Steg betont den Weg hinaus. Haus und Berg werden zu mythischen Orten, sie könnten etwas wie den Anfang der Welt oder der Erzählung des Menschen von der Welt darstellen: Der Berg, der ein Haus einschließt, das Haus, in dem es ein Zimmer gibt, das Zimmer, in dem ein Tisch steht, und auf dem Tisch liegt ein Kästchen und in dem Kästen ist ein Ei und in diesem Ei ist der Schlüssel, den der Märchenheld braucht. Ja, jetzt ist es schon wieder passiert, ich schiebe dem Ort eine Handlung unter, von der er vielleicht gar nichts weiß.
 
Das liegt sicher daran, dass Anna Arnskötter mit Haus und Boot, Brücke und Turm, Garten und Zaun mit archetypischen Formen umgeht, in denen sich zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten der Kulturen immer wieder Gedanken materialisiert haben. Ihr Formvokabular ist sparsam, die Linien sind sehr klar und reduziert, nahe der geometrischen Vereinfachung. Die Ausführung streift erst recht alles Nebensächliche ab, verzichtet auf narrative Details - und gerade deshalb lässt sich so viel an diese Oberflächen aus Beton anlehnen. Sie halten viel aus.
Sucht man nach einer sachlicheren Ebene für die Herkunft der Formen als Mythen und Märchen bietet sich die Architekturgeschichte an. So ist der "Garten" ein umschlossener Ort wie der Klostergarten, eine Idealwelt im Kleinen. Konzentrische Wälle schließen ein viereckiges Gemäuer ein, in jede Himmelsrichtung öffnet sich ein Tor. Dies ist ein Ort, um sich selbst ins Lot zu bringen und sein Verhältnis zum Universum zu klären. Solches war einmal die Aufgabe von heiligen Stätten und sakralen Orten. Sie haben diese Funktionen zwar noch in der säkularisierten Gesellschaft; aber der Gebrauch, der davon gemacht wird, ist höchstens noch von individueller Bedeutung, kaum aber mehr von kollektiver. Anna Arnskötter versucht mit ihrer Kunst keinesfalls, einen Ersatz zu schaffen für das, was durch den Verlust der metaphysischen Verbindungen auf der Strecke blieb. Aber sie formuliert die Bedürfnisse, die dieser Verlust hinterlassen hat, in einer modellhaften Art und Weise. Ihre Skulpturen umschreiben den Wunsch nach Erfahrungen, die unserer Kultur mehr und mehr abhanden gekommen sind.
Im "Garten" und "Im Verborgenen" strömt alles auf einen Punkt hin. Eine andere Gruppe der Skulpturen "Die Insel", "Stadt auf Reisen" und "In See stechen" bringt dagegen gegenläufige Tendenzen zusammen. Architektur, Bewegung und Landschaft werden auf eine ungewohnte Weise zusammengedacht. Die "Stadt auf Reisen" hat tatsächlich Vorbilder in der realen Welt, in den Bohrinseln, großen Förderstätten, die im Meer ausgesetzt sind. Die Skulptur dagegen betont mit den Häusern im Boot das Widersprüchliche: zwischen der Sehnsucht nach Geborgenheit und der Abenteuerlust ist es nicht einfach, Entscheidungen zu treffen. Das Boot ist auf den beiden Säulen auch seiner eigentlichen Bestimmung, über das Meer zu fahren, enthoben. Ein absurdes Bild zwar, aber durchaus nachfühlbar, beschreibt es doch einen Punkt, an dem man immer wieder gerät. Festhalten oder Fahrenlassen, Wurzelnschlagen oder Ankerlichten: Ob es gelingen kann, beides miteinander zu verbinden, bleibt auch in den Skulpturen offen.