Biografie
1974 geboren in Hechingen
1980 musikalische Ausbildung in Violine, Gesang und Klavier
1995-2000 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Baumgartl, Roland Winkler, Prof. Michou, Prof. Eigenheer, Daniele Buetti und Burkhard Blümlein
2000-2001 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Michou, Studiengang Bildende Kunst und Intermediales Gestalten
2002-2003 Studium am Pratt Institute, Brooklyn, New York, bei Prof. Mackey, Prof. Ritter, James Costanzo und Lee Arnold, Studiengang Computer Graphik und Interaktive Medien
2005 Abschluss des zweiten Staatsexamens mit Auszeichnung
» zu den Arbeiten von Danielle Zimmermann
Preise und Stipendien
2002 Graduiertenstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in New York (Jahresstipendium für das Pratt Institute in Brooklyn, New York)
2001 Atelierstipendium, Museum der Stadt Waiblingen
1999 Akademiepreis
1. Preis des Fraunhofer IPA Kunstwettbewerbs
1997 Akademiepreis
Einzelausstellungen
2010 da fridge gallery, Berlin
2009 Süße Sünde - Bilder, Grafiken & Objekte, Galerie Merkle, Galerienhaus Stuttgart
0% Fett, 100% Genuss, Galerie der Stadt Herrenberg
2008 Copernicus Graphische Werkstatt, Alfter
You can’t blame a girl for trying, im Kulturwohnzimmer von immodestia, Ludwigsburg
Siegt am Ende doch noch die Liebe?,
Galerie Tobias Schrade, Ulm
2006 Never mind!, Galerie Merkle,
Galerienhaus Stuttgart
Was denkt sie sich bloß?, Hohenloher Kunstverein, Hofratshaus Langenburg
2005 Du darfst – entrahmte Kunst,
twentytwo shoes. art. more., Stuttgart
2004 Süß wie Zucker, Reihe 22, Stuttgart
Young & Innocent,
Copernicus Graphische Werkstatt, Alfter
DANIELLE, you are my best friend,
Galerie Tobias Schrade, Ulm
2003 0% Fett, 100% Genuss,
Studio gallery 88, New York
Now Stronger Than Ever, Kunstforum Mainturm, Flörsheim am Main
2002 TRY ME! Press The Yellow Button,
Museum der Stadt Waiblingen
TRY ME!, Galerie Edition Merkle
2001...wo will er jetzt hin?, Kunstverein Musberg
TRY ME!, Digital ART Gallery, Frankfurt
Gruppenausstellungen
2010 Art Karlsruhe, mit Galerie Tobias Schrade (one artist show) Ulm und Galerie Frank Pages Baden-Baden
Kunst und Gesellschaft, Ausstellung der Künstlermitglieder, Württembergischer Kunstverein Stuttgart
26. Kunstwettbewerb Neue Aspekte der Wirklichkeit der Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, Kirchheim
Skulpturen, Bilder und Objekte,
Galerie Tobias Schrade, Ulm
Galerie Belle de Jour, Baden-Baden
2009 Art Karlsruhe, mit Galerie Tobias Schrade Ulm
Kunsthaus Zimmermann&Heitmann, 130 Jahre, Gute Kunst trifft im Kopf, Düsseldorf
moving lines_art at the boundaries of mobility, Galerie im Artforum, Künstlerkreis Ortenau
Dillmann Kunstmarkt 2009 - Best Of, Stuttgart
Frank Pages Art Galerie, Baden-Baden
rohe Weihnachten, Galerie Tobias Schrade, Ulm
2008 VIS-A-VISAGE, Object + Thought in Zusammenarbeit mit Plus Galerie, Denver, USA
Künstler der Galerie - kleine Formate, Galerie Tobias Schrade, Ulm
2007 5 Jahre Kunstforum Mainturm, Flörsheim am Main
Kunst im Dialog, Institut für bildnerisches Denken, Grenzach-Wyhlen
10 Jahre Galerie Merkle, Galerie Merkle, Galerienhaus Stuttgart
2006 Ziehung der Depotwände, Galerie Merkle, Galerienhaus Stuttgart
2. Biennale der Zeichnung, Kunstverein Eislingen
Spielszenen, Galerie Merkle, Galerienhaus Stuttgart
Wir spielen am besten wenn der Gegner nicht da ist, Galerie Tobias Schrade, Ulm
Final Countdown, Reihe 22, Galerie des Künstlertreffs, Stuttgart
Zeichnungen, Ausstellung der Künstlermitglieder, Württembergischer Kunstverein Stuttgart Zeichnungen, Objekte, Druckgrafik, Galerie Merkle, Galerienhaus Stuttgart
2005 Shopping, Galerie der Stadt Backnang
video:series, Goliath Visual Space, New York
2004 6. Internationale Foto-Triennale Esslingen, Rahmenprogramm
Neue Editionen, Galerie Edition Merkle, Stuttgart
2003 5 Jahre Galerie Merkle, Galerie Edition Merkle, Stuttgart
Mehr Licht!, 2002/2003 DAAD Kunststipendiaten in New York, Goethe-Haus, New York
art.fair International, Kunstmesse Köln, mit Galerie Edition Merkle Stuttgar
Release und Kunst, Stuttgart Künstler der Galerie, Galerie Edition Merkle, Stuttgart
17. Stuttgarter Filmwinter
2001 Galerie Artraktion, Bern, Schweiz
Release und Kunst, Stuttgart
Galerie Marianne Grob, Berlin
2000 13. Stuttgarter Filmwinter
Videosommer, 14-1 Galerie, Stuttgart
THE SECOND AUSTROTEL CONTEMPORARY ART FAIR, Wien, mit 14-1 Galerie Stuttgart
Große Kunstausstellung im Haus der Kunst München
1999 Right here, right now, Ausstellungsprojekt mit Daniele Buetti, Stuttgart
Flowers for the opening, Frontstore, Basel, Schweiz
Überbrücken. Eine Begegnung von Kunst und Forschung, Rathaus Stuttgart

CATCH ME IF YOU CAN
Für Danielle Zimmermann
Gerhard van der Grinten über die Arbeit von
Danielle Zimmermann
Danielle – der Name ist Programm. Süßeste Verheißung. Fleisch vom Fleische der Verführung: ranke Beauties, pralle Mangas, Must-Haves, and – Yes we can! – die Gesellschaft jener It-People, die die irdische Existenz dem frohen Konsumenten erst erträglich machen. Auf Hochglanzfolie. Doch ach! Auch dieses Paradies hat seine Frucht vom Baume der Erkenntnis. Und so wie man, der Künstlerin Danielle selber ansichtig, auf den ersten Blick dem Irrtum verfallen könnte, es handele sich bei ihr um eines ihrer Kunstprodukte, so lehrt der zweite, dass sie einen Schalk besitzt, der den Scherz ins Bodenlose führt. Ihr Talent ist virtuos, ihre Kenntnis der Kunst- und Kulturgeschichte stupend: das ermöglicht ihr, wie beiläufig, den Vorrat abendländischer Ikonographie heranzuziehen und in völlig neue Beziehungen zu setzen. Was äußerst erhellend ist: auch darin, unsere schöne neue Medienwelt auf ganz erschreckende Weise zu decouvrieren. Wie sollte man dieser Versuchung widerstehen. Wieso auch?
Gerhard van der Grinten; 12.I.2010
TOUT SWEETS
Gerhard van der Grinten über die Arbeiten von Danielle Zimmermann
Es gibt die wirkliche Welt und es gibt die wahre. Die wirkliche Welt besteht aus Importzöllen, Arbeitslosenstatistiken, Mortalität infolge Fettsucht und Mangel an Bewegung, Verkehrsinfarkt, Mehrwertsteuererhöhung, dem Gekeife der Opposition, Waldsterben oder dem fatalen Hang religiös überbelichteter Individuen zu Explosionsstoffen. Das, und dergleichen mehr, ist die wirkliche Welt. Das ist natürlich nicht das Wahre. Die wahre ist sie schon gar nicht. Die wahre Welt, die einzig erstrebenswerte ist selbstverständlich die - wer wollte es bestreiten- in Hochglanz: schöne, junge Menschen, qua Naturrecht fit und rank und sexy, in schönen Wagen, Häusern, Ambientes, mit Partnern, deren männliche Kaumuskel die selbstgewisse Breite ihrer Bizepse halten, einen Six-Pack anstelle des Bauches unter den weiten Schulter. Menschen, die zu schmeichelnder Musik schöne, bunte Dinge konsumieren. Ohne Schuldgefühl und Reue. Ohne die Last der Geschichte. Ohne die Belastung tiefgründelnder Philosophie. Es ist in der Tat die letzte und jüngste der Erlösungsreligionen, die nicht nur verheißt: alles wird gut!, sondern auch: alles wird chic! Zu jener, zu vor nicht allzulanger Zeit, als die Weltwirtschaft noch glaubte, mit Informationstechnologien und ohne reelle Arbeit ließe sich das Volksvermögen der ganzen Menschheit erwirtschaften. Als die Labels Sakramente waren und die Supermodells Hohepriesterinnen, deren abkonterfeite Ikone schon den Atem verschlagen konnte. Und wer, außer den Heuchlern, außer den Moralisten oder sonstigen gewerbsmäßigen Miesepetern, wollte nicht dazugehören, der Kommunion von Gucci, Prada, Chanel teilhaftig werden? Wer wollte häßlich sein unbegehrt und außen vor? Warten wir nicht insgeheim auf die Erlösung vom Übergewicht, der Riester-Rente, den Segnungen der Globalisierung, die diese schöne neue Welt beschatten?
Die Welt der Danielle. Die Welt der eleganten Werbeidole, des konsumfrohen Rausches: sie posiert, sie performt, nimmt Rollen ein: young, tough & sexy, sie zeigt ihre eigene Produktlinie: die geht vom Videoclip über das Modellkleid und das für die Frau for fun unverzichtbare Assessoire bis hin zu Tattoos und Buttons, Stickern, exklusiven Kappen, Shirts und Bildern. Werbejingels eingeschlossen. Das beherrscht den Style des Angesagten nicht weniger virtuos als die Mittel und Behufe der Realisation, ist mit großer Könnerschaft programmiert, gezeichnet, gedruckt, gemalt, montiert und läßt gewiß kein Material und keine Technik aus, die dem beabsichtigtem Ausdruck nutzbar scheint. Was adaptiert ist, was originäre Zutat, erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick: die Puma-T-Shirts sind gemalte Fakes: gefälscht besser als echt, die Sneakers allesamt nur Turnschuhmanschetten, um dem abendlichen Auftritt in der Disco erweiterte modische Varianz zu bieten. Es sind allerdings nur rechte Füße ... Da sind die hippen Marken und die hippen Illustriertentitel, auch gemalt, mit Folienstiften. Und die hippen Mangas - jene japanischen Trendcomics, die zunehmend auch die alte Welt erobern mit ihrem schrägen Gemix aus Gewalttätigkeit, Tempo, Sex und Infantilismus. Da ist Barbie, das alterungslose Ideal der Kleinmädchen-Frau. Und all die feinen Labels, deren Nennung schon wollüstiges Begehren zu entfachen imstande ist. Und beinahe ist man eingewickelt von all dem prall Gebotenen. Bis man genauer hinsieht. Der zweite Blick verstört:
Denn da zeigt sich ganz unvermutet der Pferdefuß, werden die Bilder und Objekte doppelbödig hintergründig. Es scheint, es gibt kein Paradies auf Erden ohne Haken. Denn hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört. Die Zusammenstellung ist absurd. Und sehr erhellend. Die Trimm-Dich-Barbies in der Menge erhalten durch ihr markiges Geschrei und die zackige Bewegung etwas erschreckend Faschistoides. Die Shirts mit Kunsthaar und augenzwinkerndem Fräulein, Lick me allover, Laß uns süße Sünde tun, verleihen der allgegenwärtig scheinbaren Verfügbarkeit des Weiblichen einen bösen Nachgeschmack. Die Bunny-Taschen, Suitcases für die Frau, frei nach dem Symbol eines Herrenmagazins, das sich des Entertainments for men rühmt. Taschen aus Bonbonpapier, Kleider aus Milchtüten. Nicht nur die Materialien spielen mit den Sehgewohnheiten und Konventionen, auch die Klaviatur der Medien, die Topoi, die sich der allgemeinen Bildvorstellungen ebensosehr bedienen, wie der Mode, wie der Inkunabeln und Kompositionsmodelle der Kunstgeschichte. Denn Danielle verfügt nicht nur souverän über die Mittel, sondern über ein enormes kunsthistorisches und ikonographisches Bildergedächtnis. Und mannipuliert den Betrachter in dem, was er zu sehen zu bekommen meint.
Modedesigns als Tafelbild etwa: die Entwürfe entlehnen sich den Gebrauchsanleitungen für Küchengeräte. Die Druckgraphik paraphrasiert Photostrecken - und kreuzt sie mit der Trophäe eines Impalas. Und die Einkaufstüte als Bildträger, die sie besessen allerorten gesammelt und teils noch im Laden bezeichnet hat, entlarven sich aus dem Abstand - und der Zutat: Idahos Royal Potatos - königliche Kartoffeln!, der Brawny-Man, pure white? Shower caps und Schwarzwaldmädel mit Girlies versehen, die asiatische Werbung, unlesbar, aber mit demselben Layout wie unsere, so daß man sie dennoch zu verstehen meint? Da, wo die Mittel und Inhalte der Werbung konterkarriert werden, schärft sich der Blick für ihre Fragwürdigkeiten, das Unbehagliche der Berieselung und Versuchung wird einem erschreckend bewußt: Lidl - heute gehört uns Deutschland und morgen die Dritte Welt ...?
Und dennoch bringt sie es ganz unangestrebt fertig, dass diese Arbeiten unerhört reizvolle und begehrliche bleiben, noch wenn einem als Betrachter ihre pointierten Sottisen allmählich bewußt werden - You can't blame a girl for trying -Wahrer als die Wirklichkeit.